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Zur Entstehungsgeschichte dieser Studie zur Eigentumsdogmatik ist in der Süddeutschen Zeitung (Hochschulseite) am 2.1.2001 folgendes kurzes Interview veröffentlicht worden.



ZWISCHENFRAGE

Was ist am Eigentum so spannend, Herr Grochtmann?

Wenn Politiker sich das ideale Jurastudium erträumen, denken sie meistens an zielstrebiges Lernen für den Abschluss. Ansgar Grochtmann, 25 Jahre alter Jurastudent aus Münster, hat sich daran auch acht Semester lang gehalten. Doch gerade, als er in die richtige Examensvorbereitung einsteigen wollte, fiel ihm ein Problem zu Artikel 14 Grundgesetz, dem Eigentumsgrundrecht, auf. Es ging um den Konflikt, dass die Norm zwar als Freiheitsrecht das Recht auf Eigentum schützt, aber der Gesetzgeber selbst den Inhalt des Eigentums bestimmt. Grochtmann wollte in zwei Wochen einen Aufsatz schreiben; am Ende wurde daraus in zwei Jahren Arbeit eine über 400 Seiten starke Monografie (Art. 14 GG- Rechtsfragen der Eigentumsdogmatik, Waxmann Verlag oder http://www.grochtmann.de). Sein Examen muss Grochtmann (Foto: privat) trotzdem noch machen. Gregor Schmitz fragte ihn, wie man sich als Wissenschaftler ohne Abschluss fühlt.


SZ: Mussten Sie Ihren Kommilitonen oft erklären, dass Sie nicht verrückt sind?
Grochtmann: Am Anfang war niemandem klar, dass es so lange dauern würde. Ich habe gewettet, dass ich bald fertig sei. Aber als ich mich mehr und mehr in das Thema vertiefte, haben schon viele Kommilitonen, die bereits Examen schrieben, gesagt, ich solle die Finger von der Sache lassen. Vor allem, weil ich ohne Sicherheit geschrieben habe.

SZ: Es gab also etwa keine Ermunterung von einem Professor?
Grochtmann: Die Grundidee, über die ich schreiben wollte, hatte ich mit einigen Kommilitonen diskutiert. Die fanden die auch gut. Aber Professoren kannte ich nicht näher, und ich wollte zu keinem gehen, ohne wirklich etwas vorweisen zu können. Erst nach fast einem Jahr habe ich mich mit ein paar hundert Manuskriptseiten zu Professor Ehlers, einem Spezialisten für Öffentliches Recht in Münster, in die Sprechstunde getraut.

SZ: Der hat sich wohl gewundert?

Grochtmann: Später hat er mir gesagt, dass er am Anfang sehr skeptisch war. Aber er hat mir geduldig zugehört und wir haben uns gleich sehr lange über mein Thema unterhalten. Und bald danach hat er mir angeboten, eine zweite Auflage der Monografie nach dem Examen als Dissertation anzunehmen.

SZ: Von da an lief die Arbeit besser?

Grochtmann: Dadurch verschwand diese Ungewissheit, ob ich die ganzen Monate einfach in den Sand gesetzt hatte. Trotzdem war auch das zweite Jahr anstrengend. Zum Eigentumsgrundrecht wird laufend publiziert, so dass man alles ständig überprüfen muss. Hätte meine Freundin nicht einen Urlaub gebucht und mir so eine Frist gesetzt, wäre ich vielleicht jetzt noch dran –und das Examen läge in noch weiterer Ferne.

SZ: Und da soll Art. 14 drankommen?

Grochtmann: Zumindest als Thema für die Examenshausarbeit wäre das schon toll –schließlich hätte ich dann wohl gute Chancen, die Arbeit mit dem längsten Literaturverzeichnis aller Zeiten zu schreiben. Es wäre auch spannend, wie die bewertet würde. Immerhin setze ich mich etwa mit den Ansichten wichtiger Professoren unserer Fakultät zu Art. 14 sehr kritisch auseinander.